Text:Heinrich Rauchberg - Statistische Technik

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Author Heinrich Rauchberg
Title Statistische Technik
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Key Sentences

Keywords

Tag (NN), Nadel (NN), anziehen (V), einführen (V), sozial (ADJ), übrig (ADJ), Zuständigkeit (NN), besonderer (ADJ), Bett (NN), Bezirk (NN)

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1II. 2STATISTISCHE TECHNIK.

3DIE ELEKTRISCHE ZÄHLMASCHINE UND IHRE ANWENDUNG INSBESONDERE BEI DER ÖSTERREICHISCHEN VOLKSZÄHLUNG.


4VON DR. 5HEINRICH RAUCHBERG.

6Schon in der Uebersicht über den Stand und die neuesten Fortschritte statistischer Technik, womit wir diesen Teil des »Allgemeinen Statistischen Archivs« eröffneten, haben wir der Ansicht Ausdruck verliehen, dass die Entwickelung der statistischen Methode wesentlich durch den Grad der Entfaltung ihrer Technik bedingt sei.

7Konnten wir damals noch in der rationellen Verwendung des Zählblättchens die wichtigste Voraussetzung des Fortschritts auf unserem Gebiete erblicken und die Verbreitung dieses technischen Behelfes gewissermassen zum Massstabe der Leistungsfähigkeit der amtlichen Statistik machen, so scheint dieser Standpunkt nunmehr durch die Erfindung der elektrischen Zählmaschine bereits überwunden zu sein und eine neue Aera statistischen Betriebs zu beginnen.

8In wieweit diese Ansicht berechtigt ist, möge aus den nachstehenden Ausführungen entnommen werden, deren Aufgabe es ist, die elektrische Zählmaschine den statistischen Fachkreisen vorzuführen.

9Für die Beurteilung ihrer Leistungsfähigkeit genügt jedoch nicht die blosse Beschreibung ihrer Konstruktion; es handelt sich vielmehr darum, die Maschine in ihrer praktischen Anwendung bei der Aufbereitung umfangreicher statistischer Materialien zu studieren.

10Um die hierfür erforderlichen Anhaltspunkte zu bieten, soll die Anwendung der Maschine bei der zentralisierten Bearbeitung der Ergebnisse der Volkszählung in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern vom 31.

11Dezember 1890 vorgeführt werden, wobei sich Gelegenheit finden wird, die für die Benützung der Maschine massgebenden allgemeinen Gesichtspunkte zu entwickeln.

12Zunächst muss aber eine kurze Beschreibung ihrer Konstruktion vorausgeschickt werden.

13Von den verschiedenen Ausführungen desselben Grundgedankens halten wir uns dabei an jene, welche für die Maschinen gewählt wurden, die der Mechaniker und Elektrotechniker Herr Otto Schäff1er in Wien in Verbindung mit dem Erfinder der Maschine, Herrn Herman Ho11erith in Washington der k. k. statistischen Zentralkommission in Wien nach deren speziellen Angaben liefert, und welche bei der Aufbereitung der Ergebnisse der letzten österreichischen Volkszählung verwendet werden.


14Vorerst ist dem Irrtume vorzubeugen, als ob unsere Maschine ähnliche Ziele verfolgte wie die Rechenmaschinen verschiedener Konstruktion oder mit denselben sonst irgend welche Aehnlichkeit hätte; sie ist keine Rechen sondern eben eine Zählmaschine und hat die Bestimmung, jene statistischen Ergebnisse durch ein System von Zählwerken oder Uhren darzustellen, welche sonst durch Strichelung oder durch Gruppierung und Auszählung von Zählkarten gewonnen werden.

15Dadurch ist zugleich besagt, dass die Anwendung der Maschine das Individualprinzip in Erhebung und Aufbereitung zur Voraussetzung hat, auf welchem die moderne Zählungstechnik überhaupt basiert.

16Die zu zählenden Angaben müssen zunächst in der Weise auf Individualkarten übertragen werden, dass zur Bezeichnung einer jeden der Natur der Erhebung nach überhaupt möglichen Angabe eine gewisse Stelle der Karte bestimmt ist, in welche zutreffenden Falles durch einen eigenen Apparat ein kreisförmiges Loch eingeschnitten wird.

17Ist das UrmateriaI der Erhebung in solcher Weise durch Perforierung auf Zählkarten umgelegt, so tritt erst die Maschine in Thätigkeit.

18Dieselbe besteht aus 5 Hauptbestandteilen: dem Kontaktapparat, der Relais-Anlage, den Zählwerken, dem Fächerkasten und der Batterie.


19Der Kontaktapparat enthält so viele Vorrichtungen zum Schliessen des durch die Batterie erzeugten elektrischen Stromes als Erhebungsmomente durch eine Zählkarte bezw. durch die in dieselbe eingeschnittenen Löcher und ihre gegenseitige Stellung ausgedrückt werden können.

20Die Art und Weise der Umlegung von Zählungsergebnissen auf derartige Karten wollen wir später eingehender besprechen.

21Hier handelt es sich zunächst darum, zu zeigen, in welcher Weise das Vorhandensein der Löcher durch die Zählwerke registriert wird.

22Zu diesem Ende wird jede einzelne Karte in den Kontaktapparat eingelegt.

23Derselbe besteht aus einer horizontal auf einer Tischplatte befestigten Platte aus Hartgummi, welche so viele cilinderförmige Vertiefungen oder Näpfe enthält, als in der Zählkarte Löcher überhaupt vorkommen können, bei unserer Maschine 240.

24Diese Näpfe sind mit Quecksilber gefüllt, und die dadurch gebildeten Quecksilbersäulen in die elektrische Leitung einbezogen.

25Durch das Material, aus welchem die Platte angefertigt ist, werden die einzelnen eventuell zu schliessenden Stromkreise isoliert.

26Durch Anschläge, welche am rückwärtigen und am linken Rande der Platte angebracht sind, wird bewirkt, dass die in den Karten enthaltenen Löcher genau über die Quecksilbersäulen zu liegen kommen.

27Da nun jede einzelne Zählkarte nicht alle überhaupt möglichen , sondern bloss diejenigen Löcher enthält, welche den durch dieselbe ausgedrückten Erhebungsmomenten entsprechen, so wird ein Teil, und zwar die Mehrzahl, der Quecksilbersäulen durch die eingelegte Karte verdeckt, ein Teil bleibt jedoch offen, Oberhalb der Platte ist an einem Hebel ein System von Nadeln in der Weise in einem Rahmen befestigt, dass dann, wenn der Hebel herabgedrückt wird, und die Hartgummiplatte unverdeckt ist, in jedes Näpfchen eine Metallnadel eintaucht.

28Diese Nadeln spielen an leichten Spiralfedern, welche dieselben nach abwärts drücken.

29Der Hebelarm mitsamt dem Rahmen und den Nadeln wird durch ein am zweiten Hebelarme wirkendes Gewicht oder eine starke Feder im Zustande der Ruhe in geraumer Entfernung von der Hartgummiplatte gehalten, Ist nun diese letztere durch eine Zählkarte bedeckt und wird der Hebel herabgedrückt, so werden die Nadeln an allen nicht perforierten Stellen von der Karte zurückgeschoben, an den perforierten hingegen dringen dieselben durch die Zählkarte durch und tauchen in die Quecksilber-Näpfe ein.

30Da auch die Nadeln in die elektrische Leitung einbezogen sind, so werden die durch die Stellung der Löcher gegebenen Stromkreise geschlossen, während alle anderen offen bleiben.

31Der Hebel mit dem Rahmen, welcher das Nadelsystem enthält, wird nach jedem Kontakte automatisch in die Höhe geschnellt, worauf eine andere Karte in den Kontaktapparat eingeführt und der Hebel durch einen Griff oder vermittelst einer Trittvorrichtung neuerdings niedergedrückt wird.

32Konfiguration der Löcher auf den Zählkarten geschlossen und wieder geöffnet werden, sind Zählwerke eingeschaltet, deren jedes im Falle direkter Schaltung einer bestimmten Stelle der Karte, mithin auch einem bestimmten Quecksilbercylinder und einer bestimmten Nadel entspricht.

33Die Konstruktion dieser Zählwerke ist sehr einfach.

34Sie werden durch einen kleinen Elektromagneten in Bewegung gesetzt, dessen Anker bei jedem Kontakte mittelst eines Häkchens in ein hundertteiliges Zahnrad eingreift und einen damit verbundenen Zeiger um einen Grad an der hundertteiligen Peripherie eines Zifferblattes fortschiebt, welches die Aussenseite des Zählwerkes bildet.

35Hat dieses Zahnrad eine volle Umdrehung gemacht, so schiebt es ein zweites, ebenfalls hundertteiliges Zahnrad um einen Zahn weiter, welches einen zweiten Zeiger in Bewegung setzt, der demnach die Hunderter zählt, während der erstere die Einheiten und Zehnerstellen angibt.

36So kann jede Zähluhr bis zu 10000 Fällen registrieren.

37Sollte diese Zahl erreicht sein, so wird dies aufnotiert und die Registrierung erfolgt wieder von 0 an.

38Das Zifferblatt dieser Zählwerke gleicht also jenem gewöhnlicher Uhren, nur ist es hundertteilig; dem Minutenzeiger entspricht jener für die Einheiten, dem Stundenzeiger jener für die Hunderter.

39Wenn ein gewisses Quantum von Zählkarten durch die Maschine geführt worden ist, so geben die Zählwerke, welche mit den einzelnen Löchern elektrisch in Verbindung stehen, an, wie oft in der Gesamtheit jene Eigenschaften oder Thatsachen vorgekommen sind, welchen die an bestimmten Stellen der Karte angebrachten Löcher und die vermöge derselben geschlossenen Stromkreise entsprechen.

40Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, dass so viele differente Momente ausgezählt werden können, als Nadeln, Quecksilbercylinder und Zählwerke vorhanden sind, und dass es dabei gleichgültig ist, ob diese Momente gleichartig oder völlig disparater Natur sind.

41Enthalten z. B. die Zählkarten die Individualergebnisse einer Volkszählung, so könnten durch 31 Zählwerke die Verteilung der beiden Geschlechter, von 4 Familienstandskategorien, von 12 Glaubensbekenntnissen, von 3 Stufen des Bildungsgrades und von 10 Altersklassen mit einem Schlage ausgezählt werden, während hierfür sonst 5malige Umgruppierung und Auszählung des Materials erforderlich wäre.

42Darin nun, dass das Material gleichzeitig nach den verschiedenartigsten Gesichtspunkten ausgezählt werden kann, ist die Ueberlegenheit der Maschine gegenüber jedem anderen Aufbereitungsverfahren begründet.


43Bei dem bisherigen Gange der Darstellung wurde angenommen, dass jedes einzelne in einer Zählkarte angebrachte Loch für sich allein ein Erhebungsmoment darstelle, und demnach auch für sich allein Gegenstand der Registrierung durch die Maschine sei.

44Dies ist nun aber thatsächlich nicht immer der Fall.

45Wie wir dies bei der Besprechung der Art und Weise der Lochung des Näheren sehen werden, sind für die Kennzeichnung gewisser Erhebungsmomente häufig zwei oder mehrere Löcher erforderlich.

46Ausserdem kommen immer dann mindestens zwei Löcher in Betracht, wenn es sich um die Kombination verschiedener Erhebungsmomente handelt.

47In diesen Fällen würde die direkte Verbindung der betreffenden Stromkreise mit den Zählwerken nicht zum Ziele führen, sondern es tritt entweder die Relais-Anlage oder der Fächerkasten in Thätigkeit.

48Die Relais können in äusserst mannigfacher Weise verwendet werden.

49Es würde zu weit führen, hier auf die verschiedenen Schaltungsarten derselben einzugehen.

50Dies ist einer jener Punkte, woselbst sich in Zukunft die statistischen Probleme in elektrotechnische verwandeln werden.

51Auch wird sich bei der Besprechung des Depouillements der österreichischen Volkszählung Gelegenheit ergeben, einige der wichtigsten Schaltungsmethoden zu besprechen.

52Hier soll nur eine einzige Art der Anwendung von Relais beschrieben werden, um deren Funktion überhaupt zu erläutern.

53Nehmen wir an, es handle sich um die Kombination der zehnjährigen Altersklassen mit den Familienstands-Kategorien.

54Es ist also gleichzeitig zu ermitteln, wie viele Personen innerhalb des durch gelochte Zählkarten repräsentierten Bevölkerungskomplexes, 010 1020, 2030 u. s. w. Jahre alt und wie viele innerhalb einer jeden dieser Altersklassen ledig, verheiratet, verwitwet oder geschieden sind.

55Zu diesem Ende sind 40 kleine Relais erforderlich (10 Altersklassen x 4 Familienstands-Kategorien).

56Durch die Ankerhebel dieser Relais wird der Strom geleitet, welcher den Löchern für die 10jährigen Altersklassen entspricht, und zwar geht der Strom für jede Altersklasse durch je 4 Relais, bezw. durch deren Ankerhebel.

57Wenn die Anker durch die Elektromagnete der Induktionsspulen nicht angezogen sind, so ist der Strom nicht geschlossen, da die Ankerhebel durch feine Spiralfedem von ihren Kontaktstellen getrennt gehalten werden.

58Wird also eine gewisse Altersklasse durch die Lochung registriert, so besteht zwar in 4 Relais die Neigung oder die Möglichkeit einen Strom zu schliessen, aber der Strom wird in Wirklichkeit nur in jenem Relais geschlossen, dessen Anker durch den Elektromagneten angezogen wird.

59Hier treten nun aber die Löcher, bezw. die Ströme in Thätigkeit, welche die Familienstands Kategorien repräsentieren.

60Diese Ströme werden durch die Induktionsspulen der Relais geführt.

61Der Strom einer jeden der vier Familienstandskategorien geht durch die Induktionsspulen von io Relais, welche somit in 4 Gruppen zerfallen.

62So oft eine Familienstandskategorie registriert wird, werden demnach die Anker von io Relais angezogen.

63Dadurch für sich allein wird jedoch noch kein auf die Zählwerke einwirkender Strom geschlossen: es ist nur die Möglichkeit gegeben, dass ein solcher durch die Berührung der Relais-Anker mit den korrespondierenden Kontaktstellen geschlossen werde.

64Dies ist nun bloss bei jenem einzigen von den Relais der betreffenden Gruppe der Fall, durch dessen Anker der Strom geht, welcher der Altersklasse entspricht, und nur das diesem Relais entsprechende Zählwerk wird in Bewegung versetzt.

65Sollen also zwei differente Erhebungsmomente mit einander kombiniert werden, so werden die Zählwerke nicht direkt mit den Polen des Stromes, den Quecksilbersäulen und Nadeln, sondern mit den dazwischen eingeschalteten Relais verbunden, an deren Induktionsspulen das eine, und an deren Hebelvorrichtung das andere dieser Momente wirkt.

66Nur durch das Zusammentreffen beider aber wird der Strom geschlossen, welcher das Zählwerk in Bewegung setzt.

67Dient die Relais-Anlage zur Kombinierung verschiedener Erhebungsmomente bei einer und derselben Auszählung, so ist es die Aufgabe des Fächerkastens, die Kombination von Erhebungsmomenten vermittelst zweier auf einander folgender Auszählungen zu vermitteln.

68Es ist nämlich je nach der Zahl der Erhebungsmomente häufig angezeigt oder auch notwendig, das gesamte Material zwei oder mehrmals durch die Maschine zu führen, wobei immer andere Gruppen von Löchern bezw. von Strömen in Aktion treten und die Zählwerke in Bewegung setzen. jede solche separate Behandlung des Materials, welche auch die Umschaltung der einzelnen Bestandteile der Maschine zur Voraussetzung hat, wollen wir eine »Auszählung« nennen.

69In dem Fächerkasten wird nun das Zählkartenmaterial bei der vorhergehenden Auszählung nach den Gesichtspunkten gesondert, welche bei der unmittelbar darauf folgenden Auszählung mit anderen kombiniert werden sollen.

70Dies wird in der folgenden Weise bewerkstelligt.


71Der Fächerkasten besteht aus zwei Reihen senkrecht stehender und wagrecht angereihter Fächer, deren jedes oben durch eine Klappe verschlossen ist.

72Diese Klappen werden durch Federn zwar in die Höhe gedrückt, an dem Aufspringen jedoch durch Widerstände, kleine Haken, gehindert, die an den mit jeder Klappe verbundenen dornartigen Fortsätzen wirken.

73Diese Widerstände stehen mit dem Anker eines kleinen Elektromagneten in Verbindung und werden ausgelöst, wenn dieser angezogen wird.

74So oft also ein Strom durch die Induktionsspule geht, wird auch die betreffende Klappe geöffnet.

75Die Sortierung des Materials durch den Fächerkasten geht nun in der Weise vor sich, dass die Elektromagneten des Fächerkastens mit jenen Näpfen bezw. Nadeln des Kontaktapparats verbunden werden, welche den zu kombinierenden Erhebungsmomenten entsprechen.

76Sollen etwa bei der nachfolgenden Auszählung Konfession, Beruf und Bildungsgrad für die 10jährigen Altersgruppen dargestellt werden, so werden jene Quecksilbersäulen und Nadeln mit den Elektromagneten des Fächerkastens verbunden, durch deren Kontakt eben die 10jährigen Altersklassen registriert werden.

77Je nachdem das durch die Zählkarte repräsentierte Individuum der einen oder anderen Altersklasse angehört, springt, sobald der Kontakt durch Niederdrücken des Hebels am Kontaktapparat gegeben ist, die eine oder andere Klappe des Fächerkastens auf; die Karte wird vom Arbeiter in das betreffende Fach geworfen und die Klappe sohin wieder geschlossen.

78Der Fächerkasten arbeitet ganz unabhängig von den Zählwerken und gruppiert das Material sowohl nach solchen Gesichtspunkten, welche gleichzeitig entweder für sich allein oder mit anderen kombiniert durch die Zählwerke registriert werden, als auch nach solchen, für welche die Zählwerke in der betreffenden Auszählung gar nicht in Anspruch genommen werden.

79Es ist ferner möglich, den Fächerkasten in der Weise zur Gruppierung des Materials nach kombinierten Gesichtspunkten zu verwenden, dass zwischen die Elektromagnete des Fächerkastens und den Kontaktapparat Relais eingeschaltet werden.

80Die Relais-Anlage kann demnach ebensowohl für die Sortierung als für die Zählung der Materialien verwendet werden.

81So tritt z. B. die oben zur Erklärung der Funktion der Relais überhaupt mitgeteilte Kombination der 10jährigen Altersklassen mit den 4 Familienstandskategorien bei dem Depouillement der österreichischen Volkszählung nicht unmittelbar für die Zählwerke, sondern zunächst für den Fächerkasten in Wirksamkeit.

82Ist das gesamte Kartenmaterial durch die Maschine geführt, so liegt dasselbe am Schlusse nach den betreffenden Gesichtspunkten, in unserem Falle nach Alter und Familienstand, geordnet in den einzelnen Fächern des Fächerkastens.

83Ein Irrtum hierbei ist nicht möglich, da immer nur ein Fach auf einmal aufspringt, Die Seitenwände des Fächerkastens werden sohin geöffnet und die Karten fächerweise herausgenommen.

84Alle Karten jedes einzelnen Faches weisen an der gleichen Stelle das Loch auf, dessen Bedeutung den Einteilungsgrund für die Gruppierung des Materials gegeben hat.

85Man, kann daher an dieser Stelle durch alle hindurchsehen, oder eine Nadel durchstecken, worin die Kontrolle für die richtige Sortierung gelegen ist.


86Die einzelnen hier erwähnten Bestandteile der Maschine sind in folgender Weise angeordnet.

87Der Kontaktapparat okkupiert die vordere rechte Ecke eines Tisches, hinter welchem sich ein Rahmen erhebt, welcher die Zählwerke enthält.

88Die Fortsetzung dieses Rahmens unterhalb der Tischfläche enthält die Relais-Anlage; von dieser führen schlauchförmige Kabelleitungen zu dem Fächerkasten, welcher beweglich ist und rechts seitlich von demStuhle des Arbeiters aufgestellt wird.

89Am andern Rande des Tisches, unmittelbar vor dem Kontaktapparat ist ein Behälter angebracht, in welchen jene Karten gelegt werden, für welche je nach dem besonderen Zählungsplane keines der Kompartiments des Fächerkastens bestimmt ist.

90Vor dem Tische nimmt der Arbeiter Platz und schichtet den gelochten Kartenvorrat zur Linken des Kontaktapparates auf.

91Mit der linken Hand wird jede Karte in den Kontaktapparat eingeführt, mit der rechten der Hebel herabgedrückt und nach gegebenem Kontakt wieder losgelassen, worauf er automatisch in die Höhe schnellt.

92Sodann wird die Karte mit der rechten Hand von der Kontaktplatte abgehoben und in jenes Fach der Sortierbüchse geworfen, welches sich infolge des Kontakts geöffnet hat.

93Fast mit der gleichen Handbewegung wird die Deckelklappe dieses Fachs geschlossen.

94Während die rechte Hand dies besorgt, führt die linke die nächste Karte in den Kontaktapparat ein.

95Nach sehr kurzer Uebung vollzieht sich diese Operation gleichsam automatisch, und können durchschnittlich 2025 Karten in der Minute erledigt werden.


96Mit wie viel einzelnen Kontaktvorrichtungen (Nadeln und Quecksilbersäulen) man den Kontaktapparat, mit wie viel Klappen und Fächern den Fächerkasten versehen will, wie viele Zählwerke angebracht und wie viele Relais eingeschaltet werden sollen, das bestimmt sich je nach der Besonderheit der zu lösenden Aufgaben.

97Die Einrichtung der Maschine ändert sich demnach je nach der Art ihrer Verwendung.

98Damit ist jedoch keineswegs gesagt, dass für jedes neue Problem auch eine eigene Maschine erforderlich sei; es kann vielmehr die spezielle Lösung einer konkreten Aufgabe auch der Einrichtung der nun einmal vorhandenen Maschine angepasst werden.

99Allein bei der Aufstellung neuer Maschinen empfiehlt es sich, die Pläne für deren Verwendung im Voraus zu entwerfen und darnach auch die Einrichtung der Maschine zu bestimmen.

100Dass mit Maschinen, welche für die Bearbeitung komplexer Materien eingerichtet sind, auch einfachere Probleme bewältigt werden können, versteht sich von selbst.

101Die von der k. k. statistischen Zentralkommission in Wien verwendeten Maschinen umfassen 240 Kontakte, 70 Zählwerke, 90 Relais und 40 Sortierfächer.

102Das gegenseitige Verhältnis dieser Bestandteile entspricht dem für die Aufbereitung der Volkszählungsergebnisse aufgestellten Plane.

103Die Grundlage für dieselben bildet die Art und Weise der Uebertragung der Individualangaben der Volkszählung aus den Zählpapieren, welche Wohnungs bezw. Hauslisten sind, auf die Zählkarten.

104Diese Uebertragung findet nach folgendem Schema statt.

105(s. S. 87)


106Auf dem rechten Rande der Karten ist der Verwaltungsbezirk angegeben, für welchen dieselben bestimmt sind, in der Ecke links oben laufen Nummern durch alle Karten eines Verwaltungsbezirkes in arithmetischer Reihenfolge fort.

107Die No. der letzten Karte zeigt somit die Zahl der ortsanwesenden Personen des betreffenden Bezirkes an, welche im übrigen schon von der summarischen Bearbeitung der Zählungsergebnisse her bekannt ist.

108Diese No. dienen zur Kontrolle für die Umlegung der Urmaterialien auf die Zählkarten.

109Die No. der ersten und letzten Karte jeder Gruppe von Karten, welche die auf einer und derselben Liste verzeichneten Personen umfasst, werden nämlich am Fusse dieser Liste angemerkt, so dass bei der Revision sofort die jeder Karte entsprechende Stelle des Urmaterials und umgekehrt aufgefunden werden kann.

110Ausserdem muss, die Reihenfolge der No. eine ununterbrochene sein und darf jede No. natürlich nur einmal vorkommen.

111Infolge dieser Massregeln erscheinen Auslassungen, Doppelzählungen oder gar absichtliche Fälschungen bei der Lochung der Karten so gut wie ausgeschlossen.


112Die Angabe des Verwaltungsbezirkes könnte anstatt durch Vordruck am Rande der Karten auch durch Permutation in einer Gruppe von Löchern erfolgen.

113Dadurch wird die Rückbildung des Materials nach der ursprünglichen territorialen Einteilung mittelst des Fächerkastens ermöglicht, falls dieselbe aus irgend einem Anlasse im Laufe der Aufbereitung sollte aufgegeben worden sein.

114Beim Depouillement der österreichischen Volkszählung ist jedoch die Beibehaltung der Gliederung des Materials nach politischen Bezirken durch alle Stadien der Bearbeitung hindurch in Aussicht genommen, und entfällt demnach der Anlass für eine derartige Lokalbezeichnung.


115Was nun die Umlegung der Individualergebnisse der Volkszählung auf die Lochkarten anbelangt, so kann der Umfang derselben dadurch erweitert werden, dass gewisse für das Depouillement belangreiche unpersönliche Momente gleichsam als persönliche Eigenschaften behandelt werden, so z. B. bei der österreichischen Volkszählung die Grössenkategorie der Ortschaft, woselbst die betreffende Person ermittelt wurde. je nachdem die Ortschaft weniger als 500, 501-2000, 2001-5000, 5001-10000, 10001-20000 oder mehr als 20000 Einwohner zählt, wird die Karte an einer der mit IVI bezeichneten Stellen (a) perforiert.

116Dadurch ist nicht nur die Möglichkeit gegeben, die Gliederung der Bevölkerung nach der Grösse der Wohnplätze durchzuführen, sondern auch diese letztere nach Belieben mit anderen Gesichtspunkten zu kombinieren, mit welchen innere Zusammenhänge bestehen oder vermutet werden, wie z. B. mit der durch die Thatsachen der Gebürtigkeit ausgedrückten Wanderbewegung.

117Eine andere höchst fruchtbare Anwendung desselben Gedankens besteht darin, feineres territoriales Detail, z. B, die einzelnen Bezirksgerichts-Sprengel, in welche ein politischer Bezirk zerfällt, durch derartige Lochbezeichnungen zu charakterisieren.

118In diesem Falle können gewisse elementare Daten für das feinere


119geographische Detail dargestellt werden, während sich die übrigen sachlich feiner gegliederten Ergebnisse gleich auf das ganze weitere Gebiet erstrecken und nicht erst durch Summierung gewonnen zu werden brauchen.


120Nach diesem Exkurs kehren wir wieder zur österreichischen Zählkarte zurück.

121Die zweite Lochgruppe (b) charakterisiert die Stellung in der Haushaltung, wie sie sich aus den Angaben der Zählpapiere über das Verhältnis jeder einzelnen Person zum Wohnungsinhaber ergibt.

122Es werden in dieser Richtung unterschieden: im Familienverbande Lebende, einschliesslich der Einzelnhaushaltungen (Fm), Aftermieter (Am), Bettgeher oder Schlafleute (Bg), Dienende für persönliche Dienste (Dn), landwirtschaftliches Gesinde (1.G), gewerbliches Gesinde (g.G) und sonstige Personen (s.P), woran sich die Spezifizierung der Insassen von Anstalten für gemeinsamen Aufenthalt schliesst.


123Nach dem Geschlechte (c) wird das Geburtsjahr jeder Person gelocht (d).

124Anstatt jedes einzelne der in den lebenden Generationen vertretenen über 100 Geburtsjahre durch eine eigene Lochbezeichnung auszudrücken, wodurch mindestens 100 Löcher für die Bezeichnung' des Alters allein in Anspruch genommen würden, wird durch je eines von je 10 differenten Löchern die Zehnerstelle und die Einerstelle der Jahreszahl der Geburt der betreffenden Person ausgedrückt.

125Es genügen damach 20 Lochstellen, von denen bei jeder Person je 2 perforiert werden, zur Bezeichnung des Geburtsjahres, bezw. Alters.

126Hat dies einerseits die Verwendung der Relais-Anlage oder des Fächerkastens zur Darstellung der einzelnen Altersjahre zur Voraussetzung, so wird dadurch andererseits die direkte Kombination anderer Erhebungsmomente mit den 10jährigen Altersklassen ermöglicht.

127Zehnjährige Altersklassen und einzelne Altersjahre erhalten gewissermassen den Charakter von differenten Erhebungsmomenten, welche zwar jederzeit miteinander in Zusammenhang gebracht, aber auch unabhängig von einander behandelt werden können, wie es eben der besonderen Beschaffenheit des zu lösenden Problems angemessen ist.


128Die nächstfolgenden Felder (e und f) sind zur Bezeichnung der Gebürtigkeit und der Heimatszuständigkeit bestimmt. Die Darstellung dieser Momente ist eine doppelte. In der obersten Reihe der betreffenden Felder werden dieselben in ihrer Beziehung zum Aufenthaltsorte dargestellt, in den übrigen an und für sich, durch Bezeichnung des politischen Bezirks, in welchem die betreffende Person geboren bezw. heimatberechtigt ist. In der ersteren Richtung werden 5 Zonen unterschieden: geboren bezw. heimatberechtigt I) in der Aufenthaltsgemeinde (AG), 2) in einer anderen Gemeinde des Aufenthaltsbezirks (AB), 3) in einem anderen Bezirke desselben Landes, derselben Provinz (AL), 4) anderwärts im Inlande (In), 5) im Auslande (A1).

129Um aber die einzelnen Bezirke individuell zu bezeichnen werden sämtliche autonomen Städte und politischen Bezirke mit fortlaufenden No. versehen.

130In ähnlicher Weise erfolgt die Bezeichnung der wichtigsten auswärtigen Staaten und ihrer Gebietsteile, welche als Länder der Geburt der in Oesterreich ermittelten Personen in Betracht kommen.

131In dieser Weise werden bei der Aufbereitung unserer Zählungsergebnisse 359 politische Bezirke bezw. Städte mit eigenem Statut, 17 Länder (hinsichtlich welcher der Bezirk nicht zu ermitteln war) und 22 auswärtige Staaten oder grössere Gebietsabschnitte von solchen unterschieden.

132Die Hunderter, Zehner und Einerstellen dieser Nummern sind in getrennten Feldern angeordnet, von welchen jedes mit einem Loch versehen wird.

133Durch die Perforierung von je 3 Löchern aus der Gruppe von je 24 Löchern (4 für die Hunderter und je 10 für die Zehner und Einerstellen) wird demnach der Bezirk bezw. das Land der Gebürtigkeit bezw. Heimatberechtigung eindeutig bestimmt.

134Bei der ganz überwiegenden Mehrzahl der Personen (in Oesterreich bei etwa 77 Prozenten) entfällt jedoch diese Lochbezeichnung auf dem unteren Teile der Felder e und f.

135Wie oben bereits bemerkt, bleiben nämlich die gesamten Materialien der einzelnen politischen Bezirke, welche die Einheit für die Materialgebarung bilden , stets vereinigt.

136Bei allen jenen, welche in der Aufenthaltsgemeinde oder in einer anderen Gemeinde des Aufenthaltsbezirkes geboren bezw. heimatberechtigt sind, was aus der obersten Reihe der betreffenden Felder zu entnehmen ist, ist der Bezirk der Geburt bezw. Heimatberechtigung schon durch jenen des Aufenthaltes gegeben, welcher die Einheit der Darstellung der Zählungsergebnisse bildet.

137Derselbe braucht daher nicht durch besondere Lochbezeichnungen ausgedrückt zu werden, was eine bedeutende Abkürzung des Lochungsverfahrens ermöglicht, indem zumeist 6 Löcher entfallen.

138Da bei der Darstellung der Zählungsergebnisse die Wechselbeziehungen zwischen Gebürtigkeit und Heimatberechtigung besonders untersucht werden sollen, so wird durch die Lochbezeichnungen GG überdies das Zusammentreffen dieser Momente hinsichtlich einer und derselben Gemeinde, und durch die Lochbezeichnung GB zwar nicht hinsichtlich derselben Gemeinde, wohl aber hinsichtlich ein und desselben Bezirkes unabhängig von dem Aufenthalte registriert.


139Die nächstfolgenden Felder g, h und i enthalten den Vordruck für die Bezeichnung des Glaubensbekenntnisses, Familienstandes und der Umgangssprac.he, wobei 17 Konfessionen, 5 Familienstandskategorien (die Geschiedenen und die Getrennten separat) und 9 differente Idiome unterschieden werden.

140Da die Umgangssprache bloss für österreichische Staatsangehörige anzugeben war, wurde eine 10. Lochbezeichnung (fr) behufs Markierung der Sprache der Staatsfremden zu Kontrollzwecken hinzugefügt.


141Hinsichtlich des Berufes wird zunächst an der schon bei der Aufnahme gemachten Unterscheidung zwischen Hauptberuf und Nebenerwerb und innerhalb derselben an den Gesichtspunkten des Berufszweiges und der Berufsste11ung festgehalten.

142Der Bezeichnung des ersteren sind die oberen, jener der letzteren die unteren, durch einen Horizontalstrich abgetrennten Reihen der Felder k und 1 gewidmet.

143In ersterer Beziehung wird an das dem Zählungsplane eigens angepasste Berufsschema angeknüpft.

144Dasselbe fasst die einzelnen Berufsarten zu Gruppen, diese hinwiederum zu Klassen zusammen.

145Da auf der Karte der Raum für die Lochbezeichnung von 5 Klassen, 8 Gruppen und 8 Arten vorgesehen ist, können durch 3 von je 21 möglichen Lochbezeichnungen 5 X 8 X 8 = 320 verschiedene Berufsarten ausgedrückt werden, mehr als unser Berufsschema enthält, welches nur mit etwa 200 Arten operiert.

146Die Beschränkung, welche für die Gliederung dieses Berufsschemas scheinbar darin liegt, dass jede Klasse nur 8 Gruppen, jede Gruppe nur 8 Arten umfassen kann, wird dadurch vermieden, dass je 2 Klassen bezw. Gruppenlöcher zur Bezeichnung einer materiell einheitlichen Klasse bezw. Gruppe verwendet werden, wodurch die Zahl der möglichen Unterteilungen bis auf 16 erhöht wird.

147So umfasst z. B. die i. Klasse unseres Berufsschemas die Land und Forstwirtschaft samt Nebennutzungen, für Industrie und Gewerbe aber sind die 2. und 3. Klasse bestimmt, welche bei der tabellarischen Darstellung der Ergebnisse zu einer einzigen Klasse werden zusammengezogen werden., Die 4. Klasse sodann umfasst den Handel einschliesslich des Transportgewerbes, die 5. die freien Berufe und die selbständigen Berufslosen.


148Der Berufsste11ung nach werden beim Hauptberufe sowie beim Nebenerwerbe die Berufs bezw. Erwerbsthätigen mit den weiteren Unterscheidungen 1) der Selbständigen oder Unternehmer (S), 2) der Angestellten oder Beamten (B), 3) der qualifizierten Arbeiter (A) und 4) der Taglöhner (T) nachgewiesen bezw. gelocht.

149Beim Hauptberufe kommt jedoch neben der direkten Berufszugehörigkeit der Berufsthätigen auch die indirekte der von diesen letzteren erhaltenen Familienangehörigen (F) und Dienenden für persönliche Dienste (D) zum Ausdruck.

150Die Familienangehörigen werden je nach der Berufsstellung ihres Erhalters ferner in 4 Kategorien unterschieden (FS, FB, FA und FT), wodurch die Gliederung der gesamten Bevölkerung nicht nur in technischer Hinsicht nach den Zweigen des arbeitsteiligen Betriebes der Volkswirtschaft, sondern auch nach sozialen Schichten angebahnt wird.

151Wurden diese Daten auch nicht für jede Person, sondern bloss für die Berufsthätigen aufgenommen, so ermöglicht es doch die Listenform des Erhebungsformulars dieselben ohne weiteres auch auf die nur indirekt zu den einzelnen Berufen gehörigen Personen zu beziehen.

152Die nachträgliche Umlegung der Ergebnisse auf Zählkarten besiegelt demnach die Ueberlegenheit der Liste gegenüber der Individualkarte als Erhebungsformular.


153Die letzten 4 Spalten der Karte sind endlich dazu bestimmt, die Thatsachen des Immobiliarbesitzes (m), den Bildungsgrad (n), das Vorkommen gewisser körperlicher oder geistiger Gebrechen (o) und den zeitweiligen oder dauernden Charakter der Anwesenheit (p) zu registrieren.


154Die Perforierung oder, wie wir uns mit einem aus deutscher Wurzel gebildeten Worte ausdrücken, Lochung der Karten erfolgt vermittelst einer eigenen Maschine.

155Dieselbe enthält eine Platte in Form eines breiten Kreissegments, in welcher alle in der Zählkarte möglicherweise vorkommenden Löcher unter Hinzufügung ihrer Bedeutung eingelassen sind.

156Oberhalb dieser Platte bewegt sich, durch eine Feder emporgehalten an einem Hebelarme mit zugleich peripherischer und radialer Bewegung ein Stift, welcher vermittelst eines handsamen Griffs oder Knopfes in die Löcher eingeführt werden kann.

157Zwischen dem Zentrum, in welchem der Hebelarm fixiert ist und der Platte mit dem Loch-Schema ist ein Rahmen angebracht, in welchen die Zählkarten eingeführt und durch den Druck zweier Federn in stets gleicher Lage gehalten werden.

158Innerhalb des Rahmens bewegt sich die an dem Hebel befestigte Schneidevorrichtung, eine Stanze, in der Weise, dass, wenn der Hebel nicht herabgedrückt wird, die Stanze über, die derselben genau entsprechende Mutter aber unterhalb der Zählkarte zu stehen kommt.

159Wird nun der Stift durch Herabdrücken des Hebels in ein Loch des segmentförmigen Schemas eingeführt, so stösst die Stanze an der korrespondierenden Stelle der in den Rahmen eingelegten Karte ein kreisförmiges Loch aus.

160Der Arbeiter hat die Urmaterialien der Volkszählung zur Linken vor sich liegen, führt für jede Person eine Zählkarte in den Rahmen der Lochmaschine ein, drückt den Stift in jene Löcher des Schemas, welche den Individualangaben für die betreffende Person entsprechen, wodurch die korrespondierenden Löcher in die Karte selbst geschnitten werden und nimmt sodann die Karte aus dem Rahmen.

161Der Vordruck der Lochbezeichnungen ist auf den Karten in der Weise angebracht, dass die Löcher genau über denselben zu stehen kommen und die gelochten Karten demnach ohne weiteres gelesen werden können.

162Auf diese Weise können von einem mittelmässig veranlagten Arbeiter bei 8stündiger Arbeitszeit stündlich die Individualangaben für etwa 90 Personen auf Zählkarten umgelegt werden.

163Besser veranlagte Arbeiter erzielen natürlich höhere Leistungen.

164Es ist an und für sich möglich, in einer Stunde bis zu 140 Karten zu erledigen; allein derartig forciertes Arbeiten kann auf die Dauer nicht ohne Gefährdung der Genauigkeit fortgesetzt werden'.

165Bei der Aufbereitung der österreichischen Zählungsergebnisse wird bei neunstündiger Arbeit eine Minimalleistung von 600 Karten täglich verlangt und der Festsetzung der Arbeitslöhne zu Grunde gelegt.

166Doch wird dieses Minimum von der überwiegenden Mehrzahl der Arbeiter regelmässig überschritten.

167Das Arbeitstempo der Lochmaschine hängt übrigens nebenbei bemerkt wesentlich von dem Lochplane ab und erhöht sich wesentlich, wenn derselbe je nach der zu lösenden speziellen Aufgabe einfacher ist und mit weniger Löchern operiert.


168Die fertigen.

169Karten werden in einer eigenen Bureauabteilung überprüft und mit dem Urmaterial verglichen.

170Fehlerhafte Arbeiten werden zurückgewiesen, vereinzelte Fehler aber gelegentlich der Revision verbessert.


171Eine Voraussetzung für den ungestörten Fortgang der Lochungsarbeiten besteht darin, dass der Arbeiter von jeder Subsumptionsthätigkeit enthoben, lediglich an den Inhalt der Zählpapiere sich halten könne.

172In einer eigenen Abteilung werden daher vorerst die Urmaterialien der Volkszählung dadurch für die Lochung vorbereitet, dass die politischen Bezirke bezw. die Staaten der Gebürtigkeit, der Heimatberechtigung mit Nummern bezeichnet und diese Nummern, sowie jene, welche die Klassen, Gruppen und Arten des Berufsschemas ausdrücken, endlich die in dem Schema ersichtlich gemachten Bezeichnungen der Berufsstellung mittelst Blaustifts eingetragen werden.

173Auch diese Arbeit wird im Akkordlohn honoriert und durch eine eigene Abteilung revidiert.


174Die bisher besprochenen Vorarbeiten sind dem Depouillement mit der Zählmaschine nicht ausschliesslich eigen.

175Auch früher musste in allen Fällen, wo die Aufnahme mittelst Listen, die Aufbereitung der Ergebnisse aber mit Zählblättchen geschah, wie z. B. in Bayern oder in Italien, dieser letzteren die Umlegung der gesamten Materialien vorangehen.

176Nicht minder musste dort, wo mit dieser Umlegung die Subsumtion der individuellen Berufsangaben unter die einzelnen Positionen des Berufsschemas verbunden war, dem Ausschreiben der Zählblätter das Auszeichnen der Klassen, Gruppen und Arten des Berufsschemas im Urmaterial selbst vorangehen.

177Dies ist z. B. auch bei der Aufbereitung der Deutschen Berufsstatistik auf Grund der Berufsaufnahme vom 5. Juni 1882 der Fall gewesen.

178Von dem bisher befolgten Vorgange unterscheidet sich die Vorbereitung der Materialien für die elekrische Zählmaschine in technischer Beziehung also hauptsächlich dadurch, dass die Umlegung nicht handschriftlich, sondern mittelst der Lochmaschine bewirkt wird, welche erheblich rascher arbeitet, als ein flinker Schreiber, selbst wenn derselbe weitgehende Kürzungen anwenden dürfte.

179Doch besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Methoden darin, dass bei dem Ausschreiben der Karten der Arbeitsplan noch keineswegs entworfen zu sein braucht, während zwischen dem Lochungsplan und dem Arbeitsplane für die Zählmaschine ein enger innerer Zusammenhang besteht, welcher die einheitliche Aufstellung beider wenn auch nicht unbedingt notwendig, so doch als Voraussetzung für die volle Entfaltung der Leistungsfähigkeit unserer Maschine erscheinen lässt.


180In der Aufstellung dieses Planes ist der Schwerpunkt gelegen.

181Zunächst handelt es sich darum, über die Gesichtspunkte ins Reine zu kommen, welche im Depouillement zur Geltung gelangen sollen, und die Tabellen für die Veröffentlichung der darnach geordneten Ergebnisse zu entwerfen.

182Dann aber ist zu bestimmen, in welcher Weise diese Ergebnisse am zweckmässigsten durch die Maschine bezw. durch die kombinierte Benützung ihrer einzelnen Bestandteile gewonnen werden.

183Handelt es sich, wie dies z. B. bei der Volkszählung der Fall ist, darum, das Material nach zahlreichen und vielgliedrigen Gesichtspunkten zu bearbeiten, so wird dasselbe mehrmals durch die Maschine geführt, und werden bei jeder einzelnen dieser Auszählungen andere Gruppen von Löchern mit den Zählwerken bezw. mit dem Fächerkasten in Verbindung gesetzt, bis der ganze Inhalt der Karte erledigt ist.

184Von der zweckmässigen Einrichtung dieser Verbindungen und der Gruppierung des Materials durch den Fächerkasten hängt der Erfolg der Bearbeitung wesentlich ab.

185Andererseits ermöglicht es die Maschine, eine so feine Gliederung des Stoffs und so weitgehende Kombinationen in Aussicht zu nehmen, wie es ohne diesen Behelf ganz undenkbar gewesen wäre.


186Anstatt die hier sich ergebenden Möglichkeiten theoretisch zu entwickeln, sei es gestattet, dieselben an dem Beispiel des Aufbereitungsplanes der letzten österreichischen Volkszählung vorzuführen.

187Für die Einrichtung desselben ist zunächst die Anforderung der Administration massgebend gewesen, die gesamte heimatsberechtigte Bevölkerung der einzelnen politischen Bezirke in möglichst kurzer Frist kennen zu lernen, also nicht bloss die in jedem Bezirke anwesenden, sondern auch alle aus demselben abwesenden, aber innerhalb der Staatsgrenzen ermittelten, dorthin zuständigen Personen.

188Die Darstellung der rechtlichen Bevölkerung der einzelnen politischen Bezirke, der Staatsfremden speziell nach ihren Heimatsstaaten, musste demnach zum Kernpunkte der ersten Auszählung gemacht werden.

189Wie schon oben bemerkt, werden die Bezirke, bezw. die einzelnen Länder und Staaten durch fortlaufende Nummern bezeichnet und im ganzen 399 Unterscheidungen gemacht.

190Die Hunderter, Zehner und Einerstellen dieser Nummern erhalten hiebei besondere Lochbezeichnungen.

191Es handelt sich nunmehr darum, dieselben unter einander in die gehörige Verbindung zu setzen, denn die Lochbezeichnung 4 an der Zehnerstelle z. B. kann u. a. sowohl Nr. 241 als auch 346 bedeuten.

192Dies geschieht dadurch, dass die gesamten Karten nach den in dem Lochungschema fett gedruckten Momenten mittelst Handarbeit sortiert werden.

193Bei dieser Sortierung dienen die Löcher nicht nur als Einteilungsgrund für die Gruppierung, sondern auch als technischer Behelf, indem nämlich eine stumpfe Nadel in die für die Sortierung massgebenden Löcher eingeführt wird und damit, da alle Löcher gleicher Bedeutung sich decken, alle nach einander liegenden Karten gleicher Art ausgeschieden werden.

194Zunächst werden die Karten gegliedert nach den Lochbezeichnungen AG (heimatberechtigt in der Aufenthaltsgemeinde) und GB (heimatberechtigt in einer anderen Gemeinde des Aufenthaltsbezirks), auf welche die überwiegende Mehrzahl der Karten entfallen, die übrig bleibenden nach den Hunderter und dann nach den Zehnerstellen der Nummern der Heimatbezirke bezw. Staaten.

195Da gewöhnlich die Zuständigkeitsverhältnisse ganzer Familien, oft auch einer Reihe von Haushaltungen uniform sind, wird durch jeden Griff eine grössere Gruppe von Karten erledigt, so dass diese Arbeit sehr rasch von statten geht.

196Es erübrigt dann noch, die auf solche Weise gewonnenen Pakete nach dem Geschlechte in zwei Teile weiter zu zerlegen.

197Schliesslich erhält man zweierlei Arten von Paketen, 1. Pakete, in welchen durchaus Personen gleichen Geschlechts vereinigt sind, welche entweder in der Aufenthaltsgemeinde oder im Aufenthaltsbezirke heimatberechtigt sind, 2. Pakete, in welchen die Zuständigen aus je 10 Bezirken vereinigt sind, deren Nummern durch die gleiche Hunderter und die gleiche Zehnerstelle gekennzeichnet werden, während die Individualisierung durch die Einerstelle erfolgt.

198Die Aufgabe der Zählmaschine ist es nun, noch die Einerstelle zu konstatieren und dadurch die Zuständigkeitsbezirke eindeutig festzustellen.

199Hiefür werden bloss io Uhren benötigt, während die anderen Zählwerke für andere Zwecke verfügbar sind.

200In welcher Weise dieselben bei dieser Auszählung verwendet werden, ist aus dem nachstehenden Plane 1 zu entnehmen, welcher die Lochbezeichnungen bezw. die Kombinationen von Fachbezeichnungen enthält, welche durch die Zählwerke gleichzeitig ausgezählt werden.


201Darnach zählen 10 Uhren die Einheitsstellen die Nummern der Heitnatsbezirke, bezw. Staaten der Karten eines jeden einzelnen Pakets, während die Hunderter und Zehnerstellen derselben schon durch die vorhergehende Gruppierung konstatiert wurden.

202Ein Paket nach dem andern wird durch die Maschine geführt und nach Erledigung eines jeden sollten eigentlich diese 10 Uhren auf 0 zurückgestellt werden.

203Da dies jedoch zu zeitraubend wäre, lässt man dieselben für alle Personen gleichen Geschlechts durch je einen ganzen Bezirk hindurch fortgehen, notiert aber die Ergebnisse für jedes einzelne Paket auf dem nachstehend mitgeteilten Hilfsformular auf, dessen Einrichtung es gestattet, die Zahlen für die einzelnen Bezirke durch Subtraktion zu berechnen.


204In die obere Hälfte einer jeden Zeile werden die Ergebnisse der Zählwerke fortlaufend eingetragen, in die untere die darnach berechnete Verteilung der Bevölkerung nach der Heimatberechtigung.

205Ist das Material für den ganzen Staat erledigt, so werden die Hülfsformularien mittelst einer Schneidernaschine in Streifen geschnitten und die Eintragungen für die einzelnen politischen Bezirke bezw. Staaten in der Art vertikal angeordnet auf gummierte Streifen aufgeklebt, dass die in jedem Bezirke bezw. Staate heimatberechtigten Personen durch einfache Addition der vertikal angeordneten Zahlen ermittelt werden können.

206Wir haben diesen technischen Behelf, durch welchen die Umschreibung der ganzen Ergebnisse vermieden wird, deshalb ausführlicher beschrieben, weil derselbe auch bei anderen Gelegenheiten angewendet werden kann und speziell bei der Auszählung mittelst Maschine in allen jenen Fällen mit Vorteil benützt wird, wo komplizierte oder kombinierte Daten vorerst durch Gruppierung des Materials und dann durch separate Auszählung der einzelnen Pakete dargestellt werden.


207Kehren wir nach diesem kurzen Ausblick auf die spätere Zusammenstellung der Ergebnisse wieder zur Betrachtung des Planes für die erste Auszählung zurück, so nehmen wir wahr, dass die Lochbezeichnungen AG, AB, AL, In und Al, deren Bedeutung schon oben dargethan wurde, zweimal ohne Kombination wiederkehren, nämlich das eine Mal zur Bezeichnung der fünf Gruppen oder Zonen der Heimatberechtigung, das zweite Mal zu jener der Gebürtigkeit, woraus sich hinwiederum die korrespondierenden Zonen der Wanderbewegung ergeben.

208Da diese bekanntlich, soweit es sich um die inneren Wanderungen handelt, in innigem Zusammenhange mit der Einwohnerzahl der Orte steht, wohin der Zuzug erfolgt, so werden die fünf Zonen der Gebürtigkeit kombiniert mit den oben erwähnten sechs Grössenkategorien der Ortschaften des Aufenthalts.

209Es wird also für jede der Ortschaftsgrössenkategorien bis 500-2000-5000-10000-20000 über 20000 Einwohner dargestellt, wie viele Personen in der Gemeinde oder im Bezirke, oder im Lande des Aufenthalts oder im Inlande oder im Auslande geboren bezw. von dort zugezogen sind.

210Hierfür werden weitere 30 Zählwerke in Anspruch genommen.

211Die Verbindung der Ströme, welche von den Löchern der Grössenkategorien ausgehen, mit jenen, welche die Daten der Gebürtigkeitszonen charakterisieren, wird durch Relais hergestellt.

212Ausserdem wird das Zusammentreffen von Aufenthalt, Gebürtigkeit und Zuständigkeit hinsichtlich derselben Gemeinde, desselben Bezirkes, desselben Landes, des Inlands, schliesslich des Auslands durch die 5 Uhren Nr 5155 registriert.

213Auch für diese Kombination ist nicht etwa eine eigene Lochbezeichnung auf der Zählkarte erforderlich, sondern es werden die Ströme dieser Lochbezeichnungen, welche nach dem oben mitgeteilten Lochungsplane für Gebürtigkeit und Zuständigkeit separat geschlossen werden, durch Relais in der Weise zu einander in Beziehung gesetzt, dass die betreffenden Zählwerke (Nr. 5155) bloss dann in Bewegung gesetzt werden, wenn sowohl hinsichtlich der Gebürtigkeit als auch der Zuständigkeit die gleiche Zone registriert wird.

214Zwei Zählwerke registrieren überdies die Identität von Gebürtigkeits und Zuständigkeitsgemeinde bezw. Bezirk ohne Rücksicht auf den Aufenthalt, welche durch die Lochung direkt ausgedrückt wird (GG und GB), und ein Zählwerk zählt separat die Getrennten aus, welche im weiteren Verlaufe der Bearbeitung nicht mehr von den bloss von Tisch und Bett gerichtlich Geschiedenen unterschieden werden, deren Konstatierung jedoch immerhin nicht ohne Interesse ist.

215Darin, dass die Summierung der Angaben jener Gruppen von Zählwerken, welche zusammen die Gesamtbevölkerung darstellen, stets zum gleichen Ergebnis führen muss, ist eine unfehlbare Kontrolle Nr das fehlerlose Funktionieren der Maschine gegeben.

216Bei dieser Gelegenheit wird auch nebenbei bemerkt, dass natürlich ganz heterogene, mit einander in keinem inneren Zusammenhange stehende Momente in einer und derselben Auszählung vereinigt, zusammengehörige in verschiedene Auszählungen verlegt. werden können, wie es eben die Arbeitsökonomie mit sich bringt, deren oberstes Prinzip die volle Ausnutzung der Maschine ist.

217Es hat das nur zur Voraussetzung, dass die Ergebnisse, welche von den Zähluhren abgelesen werden, vorerst auf Hülfsausweisen verzeichnet werden, und die definitiven Tabellen aus den Aufschreibungen nach differenten Auszählungen zusammengetragen werden.


218Gleichzeitig mit den 58 Zählwerken, welche bei der eben beschriebenen Auszählung in Thätigkeit gesetzt werden, arbeitet der Fächerkasten.

219Er hat die Aufgabe, die Karten für die einzelnen politischen Bezirke in analoger Weise nach den Hunderter und Zehnerstellen der Nummern der Geburtsbezirke zu gruppieren, wie dies früher mittelst Handarbeit nach den Nummern des Bezirks der Heimatberechtigung geschehen ist. jedes der 40 Fächer des Fächerkastens ist demnach zur Aufnahme der Karten von je io durch die gleiche Hunderter und die gleiche Zehnerstelle bezeichneten Geburtsbezirken bezw. Staaten bestimmt, und es springt die Klappe des betreffenden Faches auf, sobald eine Karte mit den korrespondierenden Geburtsdaten in den Kontaktapparat eingeführt wird.

220Dieselbe Karte setzt überdies die Zählwerke ganz unabhängig von der Funktion des Fächerkastens in der oben beschriebenen Weise in Thätigkeit.

221Es wird also gleichzeitig registriert, gezählt und sortiert.

222Für solche Karten, welche in der Aufenthaltsgemeinde oder im Aufenthaltsbezirke Geborene darstellen, öffnet sich keines der Fächer des Fächerkastens, sondern es fallen dieselben in einen Behälter, der unmittelbar unterhalb des Kontaktapparates angebracht ist.

223Die Sortierung nach dem Geschlechte erscheint jetzt nicht mehr notwendig, weil schon früher jeder Bezirk gewissermassen, in zwei Sektionen, eine männliche und eine weibliche zerlegt worden ist, welche durch alle Auszählungen hindurch separat behandelt werden.


224Dass der Apparat in der eben beschriebenen Weise funktioniert, wird durch die Art und Weise der Stromscha1tung bewerkstelligt.

225Um dem Leser auch hier die Möglichkeit zu bieten, dem Zählungsplan in seinen viel verschlungenen Komplikationen zu folgen, versuchen wir es, auf die Gefahr hin, dass in Ermangelung von Illustrationen Manches unverstanden bleibt, die Schaltung für die erste Auszählung zu erklären und werden dafür auf die speziellen technischen Einrichtungen der anderen Auszählungen des Näheren nicht eingehen.

226Für die erste Auszählung sind 7 separate Stromkreise erforderlich.

227Der erste und bedeutendste geht nach Massgabe der Lochung der in den Kontaktapparat eingeführten Karte durch je eines der 10 Zählwerke der Heimatsbezirke, der 5 Zählwerke der Zonen der Heimatberechtigung und der 5 Zählwerke der Zonen der Gebürtigkeit, ferner durch die Induktionsspulen von je einem der 5 Relais für die Zonen der Heimatberechtigung, der fünf Relais für die Zonen der Gebürtigkeit und der 6 Relais der Grössenkategorien der Aufenthaltsorte, endlich zu einer Glocke, welche dann ertönt, wenn alle Kontakte dieses Stromkreises geschlossen sind.

228Sollte eineKarte fehlerhaft gelocht oder in den Apparat ungenau eingelegt sein, so dass der Kontakt nicht an sämtlichen Kontaktstellen eintritt, so wird der Strom überhaupt nicht geschlossen, keines der Zählwerke in Bewegung gesetzt, und die Glocke ertönt nicht.

229Der Arbeiter merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist und scheidet die betreffende Karte behufs späterer Verbesserung aus.

230Diese automatische Kontrolle wird bei sämtlichen Auszählungen angewendet und es werden Dank derselben alle Fehler der Lochung entdeckt und verbessert, welche bei der Revision der Karten etwa entgangen sind.

231Ein zweiter Stromkreis läuft durch die Ankerhebel bezw. Hebelkontakte je eines der vorerwähnten 5 Relais der Gebürtigkeitszonen und der 5 Relais der Zuständigkeitszonen und wird dann geschlossen, wenn die gleichen Zonen der Gebürtigkeit und der Zuständigkeit registriert werden, wodurch vermittelst des Stromkreises Nr. 1 die Hebel der betreffenden Relais angezogen werden.

232Der also geschlossene Strom setzt sodann eines von den 5 Zählwerken in Bewegung, welche das Zusammentreffen der Zonen der Gebürtigkeit und der Zuständigkeit registrieren.

233Der 3. Stromkreis verbindet die Kontakte für die Grössenkategorien der Ortschaften mit dem Hebel der unter 1 erwähnten 6 Relais derselben Grössenkategorien und wird sodann durch eines von den 30 Zählwerken zurückgeleitet, welche die Kombination der Gebürtigkeitszonen mit den Grössenkategorien der Aufenthaltsorte registrieren.

234Durch das Zusammenwirken dieses Stromkreises mit dem unter Nr. i erwähnten wird immer das der betreffenden Kombination entsprechende Zählwerk in Bewegung gesetzt.

235Der 4. Stromkreis registriert separat die Lochbezeichnungen GG und GB, der 5. die Getrennten.

236Der 6. und 7. Stromkreis ist für den Fächerkasten bestimmt.

237Der 6. Stromkreis geht nämlich nach Massgabe der Lochung in den Zehnerstellen der Nummer der Gebürtigkeitsbezirke durch die Multiplikationsspulen von je 4 von den 40 Relais, welche diese mit den dazugehörigen Hunderterstellen verbinden sollen.

238Der 7. Stromkreis, welcher den Hunderterstellen entspricht, wird durch den Hebel eines dieser Relais geführt, geht durch eine der 40 an dem Fächerkasten angebrachten Multiplikationsspulen und öffnet dadurch das dem Geburtsbezirke entsprechende Fach desselben.

239Alles das, was hier so umständlich und wie ich befürchten muss trotzdem unverständlich beschrieben wurde, vollzieht sich im Apparat in einem Schlage.

240Es werden im Durchschnitt stündlich etwa 1200 Karten erledigt.

241Ist das Material für einen Bezirk, welcher die territoriale Einheit der Auf bereitung bildet, erledigt, so werden die Ergebnisse, welche die oben erwähnten Momente umfassen, von den Uhren abgelesen und aufnotiert, insoferne nicht schon, wie in unserem Falle, die Nummern der Heimatsbezirke im Laufe der Arbeit succesive aufgezeichnet worden sind; gleichzeitig aber liegt in dem Fächerkasten das gesamte Material nach den Gesichtspunkten der zweiten Auszählung geordnet und für diese letztere vorbereitet.


242Für jede neue Auszählung ist die Umschaltung der Maschine erforderlich. je nachdem man das ganze Material der Volkszählung zuerst die eine Auszählung passieren lässt, bevor es zur zweiten geführt wird, oder das Material jedes einzelnen Bezirkes durch alle in Aussicht genommenen Auszählungen auf derselben Maschine in unmittelbarer Reihenfolge durchzuführen beabsichtigt, empfiehlt es sich, im ersteren Falle die Leitungen und Verbindungen für jede einzelne Auszählung direkt herzustellen, im letzteren Falle aber die Verbindungen für jede einzelne Auszählung vermittelst einer Umstecktablette, in welche alle Leitungen einmünden, durch Umstöpselung herzustellen.

243Uebrigens kann jede Umschaltung dadurch vermieden werden, dass für jede einzelne in Aussicht genommene Auszählung je eine oder mehrere Maschinen gleichzeitig vorgerichtet sind, und sodann das Material aus der einen in die andere übergeleitet wird.


244Kehren wir von dieser kleinen Abschweifung nunmehr wieder zur Verfolgung unseres Zählungsplanes zurück, so erinnern wir uns daran, dass wir das Material nach der ersten Auszählung nach den Hunderterund den Zehnerstellen der Nummern der Gebürtigkeitsbezirke bezw. Staaten aus dem Fächerkasten übernommen haben.

245Bei der zweiten Auszählung nun wird den Zählwerken die im nachstehenden Plane ersichtlich gemachte Bedeutung beigelegt.


246Zehn Zählwerke zeigen demnach die Einerstellen der Gebürtigkeitsbezirke und damit auch diese selbst an. jedes der aus der ersten Auszählung resultierenden Pakete enthält nämlich Karten mit den gleichen Hunderter und Zehnerstellen der Nummern der Gebürtigkeitsbezirke; es fehlt zur eindeutigen Bezeichnung derselben nur noch die Einerstelle und diese wird durch die Uhren angegeben.

247Die Aufzeichnung des Ergebnisses geschieht für jedes Paket separat unter Verwendung eines ähnlichen Hülfsformulars, wie früher bei den Ergebnissen hinsichtlich der Zuständigkeit.

248Zwei andere Gruppen von Zählwerken sind zur Darstellung des Bildungsgrads (Kenntnis des Lesens und Schreibens, Kenntnis des Lesens allein, Analphabeten) in Verbindung mit dem Alter bestimmt, und zwar zeigen 30 Uhren die Altersgliederung für jede der drei Bildungsstufen nach 10jährigen Altersklassen an, während 15 andere Zählwerke die Lese bezw. Schreibkundigkeit für jedes einzelne Altersjahr vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 10. Lebensjahre registrieren.

249Die Verbindung der Daten über das Alter bezw. Geburtsjahr mit jenen des Bildungsgrades erfolgt vermittelst der Relais-Anlage.

250Zwei Zählwerke scheiden endlich die Bevölkerung in dauernd und in nur vorübergehend Anwesende.

251Unterdessen gruppiert der Fächerkasten die erledigten Karten nach den zehnjährigen Altersklassen, kombiniert mit dem Familienstande (ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden oder gestrennt), hiebei bilden die Geschiedenen und die Getrennten nur eine Kategorie, obwohl sie verschiedene Lochbezeichnungen haben.

252Die beiden Kontakte werden nämlich durch eine gemeinsame Leitung verbunden.

253Dieses einfache Mittel kann, nebenbei bemerkt, in allen ähnlich gelagerten Fällen angewendet werden, wenn man nämlich Unterscheidungen, die bei der einen Auszählung gemacht wurden, bei einer anderen, von differenten Gesichtspunkten ausgehenden, fallen lassen oder zur höheren Einheit zusammenfassen will.

254Die Kombination des Alters mit dem Familienstande wird durch 40 Relais hergestellt, welche die Kontakte, die durch die Lochbezeichnungen der Zehnerstellen des Geburtsjahres und des Familienstandes gegeben sind, unter einander und mit den 40 Elektromagneten des Fächerkastens verbinden.

255Dass das Material schon von früher her nach den beiden Geschlechtern getrennt liegt, ist bekannt.

256Nach der zweiten Auszählung liegt es nunmehr auch noch nach Alter und Familienstand gegliedert.

257Werden die dadurch gewonnenen Pakete bei den nächstfolgenden Auszählungen einzelnweise durch die Maschine geführt, so erhält man alle bei derselben durch die Zählwerke registrierten Daten kombiniert mit Geschlecht, Alter und Familienstand, da diese Momente schon durch die einzelnen Pakete gegeben sind.

258Dies ist nun der Fall in der dritten Auszählung, bei welcher die Zählwerke bei der im Plane III veranschaulichten Weise verwendet werden.


259Zehn Zählwerke lösen demnach die 10 in jedem Pakete enthaltenen und zu einer Altersklasse vereinigt gewesenen Altersjahre in die einzelnen Geburtsjahre auf und ergeben die Altersgliederung nach einzelnen Geburts, bezw. Altersjahren kombiniert mit Geschlecht und Familienstand.

260Fünf Zählwerke registrieren die erhobenen körperlichen oder geistigen Gebrechen (4 Arten von Gebrechen, die 5. Uhr zählt zur Kontrolle die Personen ohne Gebrechen), 10 Zählwerke die angegebenen Umgangssprachen, 17 Zählwerke die Konfessionen, 15 Zählwerke die differenten Stellungen in der Haushaltung (Verhältnis zumWohnungsinhaber) und 6 Zählwerke nochmals die Grössenkategorien der Ortschaften des Aufenthalts. 63 Zählwerke registrieren demnach 6 differente Gruppen von Erhebungsmomenten, deren jedes schon durch die vorherige Gruppierung des Materials nunmehr mit Geschlecht, Alter und Familienstand kombiniert erscheint.

261Die Relais-Anlage wird bei dieser Auszählung für die Zählwerke gar nicht benützt.

262Wohl aber wird sie für den Fächerkasten in der Weise in Anspruch genommen, dass die Leitungen von den Kontakten der 5 Hauptberufsklassen und der 8 Hauptberufsgruppen zunächst in der Relais-Anlage durch 4o Relais zu einander in Beziehung gesetzt und dann mit den Elektromagneten des Fächerkastens derart verbunden werden, dass dieser das Material nach den Hauptberufsgruppen sortiert.

263Die Gliederung desselben nach Geschlecht, Altersklassen und Familienstand wird jedoch nicht aufgegeben, sondern weiter beibehalten, was zur Voraussetzung hat, dass der Fächerkasten nach Erledigung eines jeden von der Auszählung Nr. 2 herrührenden Pakets ausgeräumt und der Inhalt der einzelnen Fächer separat gebündelt werde.

264Nun ist der Berufsstatistik bereits mächtig vorgearbeitet.

265Die Aufstellung derselben ist die Aufgabe der vierten Auszählung, welche eigentlich die Aufgaben zweier differenter Auszählungen bewältigt.

266Da jedoch bei der einen derselben der Fächerkasten nicht benötigt wird, werden die Zählwerke von je zwei Maschinen mit einem gemeinsamen Kontaktapparat verbunden, so dass die Karten in der That nur einmal durch den Apparat geführt zu werden brauchen und die Arbeit einer ganzen Auszählung erspart wird.

267Die Anordnung der Zählwerke ist die folgende.

268(Plan IV S.io6.)


269Die eine Gruppe umfasst demnach 48 Zählwerke.

270Dieselben registrieren unter Vermittlung der Relais-Anlage die einzelnen Hauptberufsarten, deren jede Gruppe im Maximum 8 enthält, in Verbindung mit den 6 Berufsstellungen der Selbständigen, Angestellten, qualifizierten Arbeiter, Taglöhner, Familienangehörigen und Dienenden.

271Die 4 verschiedenen Lochbezeichnungen für Familienangehörige, welche in der Karte vorhanden sind, werden hier zu einer gemeinsamen Leitung verbunden.

272Die zweite Gruppe umfasst 68 Zählwerke.

273Von diesen registrieren 24 die Berufsstellung in Verbindung mit en Immobiliarbesitz-Verhältnissen, 4 Zählwerke das Zusammentreffen der einzelnen Arten des Haus und Grundbesitzes, 6 Zählwerke die Nebenerwerbsklassen bezw. den Mangel eines Nebenerwerbes, während 4 Zählwerke die Familienangehörigen nach der Berufsstellung ihres Erhalters weiter aufteilen und 30 Uhren die 6 Berufsstellungen mit den 5 Zonen der Gebürtigkeit bezw. Wanderbewegung kombinieren.

274Die Leitungen für jene Momente, welche mit anderen kombiniert dargestellt werden, werden durch die Relais-Anlagen, die anderen direkt zu den Zählwerken geführt.

 275Die Aufschreibung der Ergebnisse erfolgt bei beiden Gruppen in verschiedener Weise.

276Nur für die erste nämlich, welche die Berufsarten in Verbindung mit der Berufsstellung umfasst, ist die Alters und Familienstandsgliederung von Bedeutung.

277Es müssen daher die Ergebnisse derselben für jedes einzelne aus der dritten Auszählung resultierende Paket aufnotiert werden.

278Die Momente der zweiten Gruppe mit Alter und Familienstand zu kombinieren ist hingegen nicht beabsichtigt; dieselben sollen vielmehr bloss für die einzelnen Berufsgruppen als solche festgestellt werden.

279Es wird daher die Unterteilung derselben nach Alter und Familienstand hier nicht weiter berücksichtigt, sondern erfolgt die Aufschreibung erst, bis alle Pakete für eine ganze Berufsgruppe erledigt sind.


280Während die Zählwerke diese höchst komplizierten Ergebnisse darstellen, gliedert der Fächerkasten unter Vermittlung der Relais-Anlage die Karten der Personen mit Nebenerwerb nach den Klassen und Gruppen des Nebenerwerbs in analoger Weise wie bei der dritten Auszählung die Gruppierung des Materials nach den Klassen und Gruppen des Hauptberufs stattgefunden hat.

281Die Karten der Personen ohne Nebenerwerb fallen nicht in den Fächerkasten, sondern in den Behälter vor dem Kontaktapparat; sie sind vollkommen ausgebeutet und kommen überhaupt nicht weiter in Betracht.

282Die fünfte und letzte Auszählung befasst sich bloss mit den Personen, für welche die Ausübung eines Nebenerwerbs angegeben ist, also mit. einem relativ sehr geringen Bruchteil der Bevölkerung, welcher auf höchstens 12 Perzente der Berufsthätigen und auf höchstens 6 Perzente der Gesamtbevölkerung veranschlagt werden kann.

283Die Auszählung derselben geschieht nach folgendem Plane: (Plan V s. S. io8)


284Dank der Thätigkeit des Fächerkastens während der vierten Auszählung stehen also bereits die NebenerwerbsKlassen und Gruppen fest.

285Bei der 5. Auszählung werden 32 Zählwerke unter Vermittlung der Relais-Anlage dazu verwendet, um die 8 Nebenerwerbsarten, in welche jede Gruppe zerfallen kann, mit den vier aktiven Berufsstellungen (die passiven sind hier belanglos) zu kombinieren, 5 Zählwerke geben überdies die Hauptberufsklasse der Personen mit Nebenerwerb und 6 Zählwerke die soziale Stellung derselben im Hauptberufe an.

286Der Fächerkasten tritt bei der 5. Auszählung nicht mehr in Verwendung.


287Wir haben bisher den Zählungsplan genetisch entwickelt.

288Um den vollen Ueberblick über das durch die Durchführung desselben zu Erreichende zu gewinnen, empfiehlt es sich einen Blick auf die Tabellen zu werfen, welche darnach aufgestellt werden.

289Der Entwurf derselben wird daher anhangsweise in systematischer Anordnung mitgeteilt.

290Durch die 1. Auszählung wird Tabelle 1 und III, durch die 2. Auszählung Tabelle II und IV gewonnen.

291Die 3. Auszählung ergiebt die Tabellen V, VI, VII, VIII, X und XI.

292Nach der 4. Auszählung werden die Tabellen XII bis XVIII aufestellt, nach der 5. endlich die Tabellen XIX und XX.


293Es darf wohl ohne Unbescheidenheit gesagt werden, dass durch die Ausführung dieses Planes in manchen wichtigen Punkten die Aufbereitung der österreichischen Volkszählung weit über den bisher von irgend einer anderen Volkszählung erreichten Rahmen inaus geführt wird.

294Insbesondere wird durch die eingehende Berücksichtigung der Gebürtigkeitsverhältnisse und die Kombination derselben mit den Grössenkategorien des Aufenthaltsortes, mit der Alters und Familienstandsgliederung, ferner mit den Berufsgruppen und der sozialen Schichtung das Moment der Wanderbewegung erst so recht in den Brennpunkt der grossen sozialen Enquete gerückt, als welche wir die Volkszählung ansehen.

295So lange die Statistik noch in den Kinderschuhen steckte, arbeitete sie mit der Fiktion der in der Zeit und im Raume stationären Bevölkerung.

296Ihr erster grosser Fortschritt bestand darin, dass sie den einen Teil der Fiktion aufgab und die Bevölkerung als eine zeitlich in stetem Fortschreiten begriffene Gesamtheit verstehen lernte.

297Die sozial nicht minder wichtige Thatsache der Wanderbewegung wurde in der letzten Zeit zwar nicht mehr wie früher ignoriert, gleichwohl ist dieselbe bisher noch keineswegs als ein essentielles Moment, dessen Wirkungen alle Lebensbethätigungen der Bevölkerung durchdringen, in die Bevölkerungsstatistik aufgenommen worden 1).

298Uns von der Fiktion der im Raum stationären Bevölkerung zu emanzipieren und den Einfluss der Wanderbewegung auf die wichtigsten populationistischen Phänomene klarzustellen und der gebührenden Beachtung zuzuführen, gehört mit zu den wichtigsten theoretischen Aufgaben der österreichischen Volkszählung.

299Allein sie könnte derselben wohl kaum gerecht werden und müsste wohl auch auf manche andere fein gegliederte Uebersicht verzichten, wenn ihr nicht die elektrische Zählmaschine als mächtiger technischer Behelf zur Verfügung stünde.

300Worin ihre Ueberlegenheit allen anderen Aufbereitungsmethoden gegenüber begründet ist, hat sich aus der bisherigen Darstellung gleichsam von selbst ergeben, Wir haben gesehen, dass durch ein und dieselbe Auszählung eine ganze Gruppe von Problemen gleichsam mit einem Schlage gelöst wird, deren Bewältigung nach der bisherigen Zählblättchen-Methode eine Reihe höchst umständlicher Gruppierungen und Auszählungen des Materials erfordern würde.

301Man stelle sich nur vor, welche Riesenarbeit es wäre, die durch die 3. oder gar die durch die 4. Auszählung gewonnenen Uebersichten in der bisher


302igen Weise aufzustellen 1 Kein Leiter eines statistischen Amtes könnte je daran denken.

303Nun beansprucht eine Auszählung mit der Maschine, womit eigentlich eine ganze Gruppe von Auszählungen erledigt wird, kaum mehr Zeit, als eine gewöhnliche Auszählung, denn bei kontinuierlichem Arbeiten werden etwa 1200 Karten in der Stunde erledigt.

304Bei forciertem Arbeiten können bis zu 35 Karten in der Minute durch den Apparat geführt werden.

305Die Maschine zählt, registriert und sortiert die Karten gleichzeitig für die Zwecke der nächstfolgenden Auszählung; darin und in der gleichzeitigen Lösung differenter Probleme ist ihre Ueberlegenheit begründet.

306Allerdings kommt sehr viel auf die zweckmässige Anordnung der Auszählungen an; in den vorhergehenden müssen die nächstfolgenden stets vorbereitet sein.

307So sehen wir denn auch, dass in unserem Arbeitsplane die Ergebnisse der ersten Auszählungen relativ spärlicher sind, und die .

308Früchte derselben erst in der zweiten Hälfte des Depouillements zur Reife gelangen.

309Aber auch darin, dass die Möglichkeit gegeben ist, stufenförmig von dem einmal erreichten Niveau aus weiterzubauen, andererseits aber die bereits ausgenützte Gliederung des Materials aufzugeben und dieselbe noch, indem ihre Früchte geerntet werden, für neue Zwecke umzubilden, erblicken wir ein höchst bedeutsames Moment.


310Durch die Maschine wird die Oekonomik statistischen Betriebes gänzlich verschoben.

311Ohne dieselbe muss jede neue Uebersicht eigens aufgestellt werden und erfordert eigene Kosten.

312Die Kosten des Maschinenbetriebs bestimmen sich jedoch lediglich nach der Anzahl der Auszählungen, ohne Rücksicht darauf, was durch diese Auszählungen geleistet wird. je feinere Uebersichten dadurch gewonnen werden, je zahlreichere Gesichtspunkte zur Geltung gelangen, je mehr sich die Kombinationen durchkreuzen, desto voller wird bei gleichbleibenden Kosten die Maschine ausgenützt.

313Ihre Bedeutung ist demnach nicht so sehr in einer absoluten Ersparnis, als vielmehr darin gelegen, dass bei ungefähr gleichem Aufwande quantitativ sowie qualitativ ungleich mehr geleistet werden kann.

314Manches Problem, auf dessen an sich mögliche Lösung verzichtet werden musste, weil der Aufwand zu dem zu erwartenden Ergebnis vielleicht nicht im richtigen Verhältnisse gestanden wäre, kann jetzt sozusagen gratis' mit anderen,' besser accreditierten mit in Angriff genommen werden.

315Der experimentale Charakter der Statistik kann sich energischer entwickeln, und die analytische Durchbildung des Stoffes ist von allen materiellen Schranken befreit.

316Die Einführung des Maschinenbetriebs verfehlt selbstverständlich nicht, den weitgehendsten Einfluss auf die Organisation des statistischen Dienstes, sowohl bei den äusseren Behörden als auch bei den statistischen Zentralstellen auszuüben.

317Zunächst dadurch, dass sie zur Zentralisation der statistischtechnischen Thätigkeit zwingt.

318Schon die Einführung des Zählblättchens hat dahin gedrängt, aber nicht überall mit Erfolg.

319In Frankreich z. B. bleibt trotz der Verwendung der IndividualZählkarte als Aufnahmsformular das Depouillement der Gemeinde überlassen, in Italien wurden die Ergebnisse der Zählung von 1881 zwar zentralisiert aufbereitet, aber schon von den Gemeinden auf Zählblättchen umgelegt.

320Erfolgt hingegen die Bearbeitung mittelst Maschine, so hört die Zwischenarbeit der äusseren Behörden von selbst auf.

321Da ferner der Anwendung der Maschine die Umlegung des gesamten Materials auf gelochte Karten vorangehen muss, so ist kein Grund vorhanden, schon die Erhebung auf IndividualBlanquetten vorzunehmen.

322Es kann auf die Liste zurückgegriffen werden, welche vor der Zählkarte Manches voraus hat.

323Sie ist den äusseren Behörden vertrauter, bildet die gewöhnliche Form ihrer fortlaufenden Anschreibungen und bietet speziell bei der Volkszählung den Vorteil, dass sie die höhere Erhebungseinheit der Familie oder Haushaltung und die Beziehungen